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Garantiert kein Müll: Maker Faire Bodensee setzt auf Upcycling

Jedes Jahr landen tonnenweise Textilien, Plastiktüten, Verpackungen oder Gebrauchsgegenstände im Müll. Längst haben Kreative und Designer dieses Material als Nische für sich entdeckt. Beim Upcycling werden neue Kleidungsstücke und Accessoires aus nicht mehr benötigten Dingen entworfen. Damit werden nicht nur Unikate für Individualisten geschaffen, sondern auch die Ressourcen geschont. Die Maker Faire Bodensee zeigt vom 15. bis 16. Juli zahlreiche dieser Visionen. Ob Taschen aus Spanngurten, Gürtel aus Fahrradreifen oder Einzelstücke aus Altkleidern – Geschichten liefert die Upcycling-Mode zuhauf. Kaufen, benutzen, ummodeln – schon in der Nachkriegszeit wurde Bekleidung aus Vorhängen genäht. Erst in den Neunzigern kam der Begriff Upcycling auf. Im Gegensatz zum Recycling ist hier ein geringerer Energieaufwand nötig, um Neues zu schaffen und dessen Wert noch zu steigern. Lange galt es nicht als schick, wiederverwertete Textilien oder Accessoires zu tragen, heute kann man damit sogar Geld verdienen.

Bestes Beispiel ist Sabine Müller aus Ravensburg. Die ausgebildete Schneiderin veranstaltet in ihrer Nähschule seit mehreren Jahren Upcycling-Kurse und hat mit „Apollonia“ inzwischen auch ein eigenes Modelabel. Aus abgelegten Klamotten kreiert die 51-Jährige individuelle Einzelstücke. Antrieb für ihr Engagement in Sachen Upcycling sind die Themen Nachhaltigkeit und Wertschätzung in unserer Konsumgesellschaft. „Es ist so viel da, das wiederverwertet werden kann“, sagt sie. Und in Kombination mit neuen Stoffen sei es stets etwas Besonderes, „wenn ein altes Teil mitschwingt“. Auf der Maker Faire Bodensee bietet Sabine Müller vier Workshops an, bei denen aus einem gebrauchten T-Shirt oder Hemd ein neues Kleid entsteht. Es gibt noch freie Plätze. Ihre eigene Kollektion präsentiert sie am Sonntag um 12 Uhr bei einer kleinen Modenschau.

Mit von der Partie auf der Messe ist auch Dirk Müller aus Friedrichshafen mit „Seegürtel“. Die Idee dazu kam ihm im vergangenen Herbst. Der Hobby-Mountainbiker, von Beruf Schweißer, hatte einem Freund das Fahrrad abgekauft und ihm als Erinnerungsstück einen Gürtel aus dem abgefahrenen Hinterreifen gebastelt. Dieses Geschenk kam so gut an, dass der 48-Jährige inzwischen ein ganzes Sortiment an Gürteln entworfen hat, zum Teil sogar mit Schnallen aus alten Fahrradketten. „Ich fand es schon immer eine Schande, dass die Altreifen geschreddert auf dem Müll landen, dabei haben viele ein wunderbares Profil, das jetzt in den Gürteln neu zur Geltung kommt“, erklärt er. Müller legt ebenfalls Wert auf Nachhaltigkeit und freut sich, dass seine „Seegürtel“ eine hohe Haltbarkeit haben.

Tatsächlich „unkaputtbar“ sind die Produkte von Kerstin Mayer. Seit fünf Jahren betreibt die 45-Jährige gelernte Handwerkerin unter dem Label „Flecht“ einen Online-Shop und bietet dort von Hand gemachte Taschen aus Gurtbändern an, die etwa bei der Herstellung von Rucksäcken verwendet werden. „Diese Gurte made in Germany gibt es in 27 Farben, sie bleichen nicht aus und können bis zu 600 Kilogramm Gewicht tragen“, sagt Mayer. Für die Maker Faire Bodensee hat sie mehrere Modelle entworfen, zugleich fertigt sie auf Wunsch individuelle Shopper und Handtaschen an.

Halsketten, Ohrringe, Armbänder, Ringe, kleine Taschen und Gürtel aus gebrauchten Fahrradschläuchen sind wiederum Blickfang am Messestand des Italieners Federico Veronesi. So manches kreative Stück erinnert dabei an das aufgeplusterte Federkleid eines Vogels. Auch dem gebürtigen Turiner ist der Umweltgedanke wichtig: „In unserer Gesellschaft wird tonnenweise Zeug weggeworfen, was jammerschade ist.“ Seit 2013 hat er sich deshalb auf Upcycling-Schmuck spezialisiert. Ähnliche Ansätze verfolgt seine Landmännin Evgenia Elkind. Die Turinerin entwirft grafisch-geometrische Elemente aus unbehandelten Holzresten und -kisten, die mit dem Laser zugeschnitten und dann von Hand zu Schmuck verarbeitet werden. Zur Maker Faire Bodensee bringt sie ihre Bestseller mit: Ketten mit der passenden Aufbewahrungsbox. Elkind selbst versteht ihre Unikate als „eine weitere Spielart von grüner Mode“.